YouTube – ein Geschäftsmodell auf der Grundlage von Diebstahl – Ein Widerspruch

By 13. September 2018Musik-Business

Vor einigen Tagen erschienen in der Welt einen Artikel mit der Überschrift, YouTube – ein Geschäftsmodell auf der Grundlage von Diebstahl. Interessiert begann ich zu zu lesen um festzustellen, dass es sich mitnichten um eine kritische Auseinandersetzung der Musikszene handelt. In dem Artikel werden Musiker als Belastungszeugen für das Leistungsschutzrecht der Verlage genommen. Wie so häufig, wenn es um das Leistungsschutzrecht geht, sind die Argumente der Befürworter falsch. Aber wollen wir mal Schritt für Schritt den Artikel durchgehen. Zumindest den Teil in dem das Musikbusiness als Belastungszeuge dienen soll.

„Ich betreibe mit drei Freunden ein kleines Musiklabel. Unser Firmensitz ist Großbritannien (schon kompliziert genug), und wir verdienen genug Geld, um unsere beiden fest angestellten Mitarbeiter bezahlen zu können. Wir sind Idealisten.“ – Peter Huth, Die Welt- 08.07.2018

Worin die Problematik besteht ein „kleines“ Label von Großbritannien aus zu führen entzieht sich meiner Kenntnis. Scheinbar verdient das Label genug Geld um sich zwei Festangestellte Mitarbeiter leisten können. Nun betreibe ich ebenfalls mit zwei Freunden ein kleines Label. Wir können uns keine Festangestellten Mitarbeiter leisten und wenn wir von einer Platte mal 300 Stück verkaufen ist das ein Erfolg. Denn unsere Künstler veröffentlichen, physisch, nur auf Vinyl. Streaming machen wir auch aber das spielt für uns keine große Rolle. Das mit diesem Modell kein Geld zu verdienen ist, wissen wir. Aber wir sind Idealisten.

Die Bands hätten ohne unser Label keine Möglichkeit, ihre Musik zu veröffentlichen, live zu spielen. Warum? Weil die Struktur, die wir bereitstellen, es möglich macht, dass die Alben der Bands auch zu den Fans kommen und neue dazugewonnen werden.– Peter Huth, Die Welt- 08.07.2018

Eine Band braucht heute kein Label um bekannt zu werden. AnnenMayKantereit oder Milky Chance sind nur einige Beispiele. Wer weiß wie man die Sozialen Netzwerke nutzt kann für ausverkaufte Konzerte und gute, regelmäßige Umsätze sorgen. Neue Musik kann man für ein paar Euro über Tunecore und ähnliche Dienste veröffentlichen. Die Songs sind so auf allen Streaming-Portalen zu hören. Auch die Abrechnungen werden von diesen Diensten erledigt. Was das Live-Spielen mit der Plattenfirma zu tun hat erschließt sich mir nicht. Dafür sind Booker und Booking Agenturen verantwortlich. Diese arbeiten frei von irgendwelchen Labels. Faktisch kann eine Band in Hamburg vor 800 Leuten spielen ohne ein Label in der Hinterhand zu haben. Ich kenne dutzende Bands die sich ihre Touren komplett selber buchen. Ab einer gewissen Größe kann ein Label sinnvoll sein. Wenn es darum geht in die großen Clubs oder Hallen einer Stadt zu kommen. Aber bis dahin, macht es selber.

Wenn man seine Musik, auf CD in die Einzelhandelsläden stellen möchte kann man sich einen Vertrieb suchen. Der erledigt es für einen. Übrigens auch die diversen Lizenzierungs-Geschichten, Film, Funk, Medien ist ohne Label möglich. Auch da hilft euch ein Verlag weiter, der kümmert sich um die direkte Lizenzvergaben und die Lizenzierung durch Verwertungsgesellschaften. Kommt mir bitte auch nicht mit Radio-Airplay. Die großen Stationen sind fest in der Hand der Majors. Dort kommt man als Indie Band sowieso nicht rein. Die kleinen Stationen spielen dich. Egal ob Label oder nicht. AnnenMayKantereit hatten massiv Radio Airplay bevor die auch nur drüber nachgedacht haben bei einem Label zu unterschreiben. Also, heute brauchst du kein Label. Das geplante und von Peter Huth massiv gepushte Leistungsschutzrecht sorgt aber dafür das dieser Weg für Musiker künftig verbaut wird.

„Wenn Sie einen bestimmten Titel unserer erfolgreichsten Band eingeben, sehen Sie, dass dieser Song bei YouTube über 200.000 Abrufe erzielt hat. Das bedeutet: 200.000 Menschen haben sich diesen Song angehört… Niemand bezahlt die Band dafür. Natürlich ist nicht jeder Abruf ein garantierter Albumverkauf. Aber wer gibt schon Geld für etwas aus, das es im Netz kostenlos gibt?“ – Peter Huth, Die Welt- 08.07.2018

Beginnen wir mal mit der Aussage, Niemand bezahlt die Band dafür. Das ist einfach falsch. YouTube hat eine Vereinbarung mit der GEMA geschlossen. Also werden Lizenzgebühren bezahlt. Was Youtube betrifft, so wird für die 200.000 Views nicht viel rumkommen. Denn in der heutigen Zeit sind 200.000 Abrufe bei YouTube nichts. Wirklich gar nichts. Bowser kommt auf über 100 Millionen abrufe. Bonez und RAF auf 90 Millionen, Drake und dutzende weitere Künstler kommen auf Milliarden Streams. Was sollte YouTube eine Band zahlen die 200.000 views hat, in Relation zu Künstlern die das 50.000 Fache an Streams aufweisen.

Kommen wir mal zum letzten Absatz des Artikels von Peter Huth in dem es richtig krude wird.

Trotzdem wird an den Abrufen verdient: von YouTube. Die Abspielstation profitiert von Inhalten, an denen sie keine Rechte hat: Eingestellt werden sie von Fans, die Konzerte filmen oder andere Hörer missionieren wollen, „YouTuber“, die selbst an Abrufen verdienen, Ideologen, die meinen, im Internet müsse alles für jeden erhältlich sein.
Die Musik (die Filme, die Serien) locken Menschen auf die YouTube-Seiten, wo per Werbung ein Milliardengeschäft gemacht wird. Minimale Investition, null Risiko, maximaler Profit. Ein perfektes Geschäftsmodell auf der Grundlage von Diebstahl.
… Die Entscheidung, wo er seine Musik veröffentlicht, kann nur beim Musiker liegen. Also: erst verhandeln, dann hochladen.- Peter Huth, Die Welt- 08.07.2018

Ja, es ist eine schlimme böse Welt. Wie schön wäre es wenn der Dienstleister, in dem Fall YouTube eine Möglichkeit bieten würde dies zu unterbinden. Wie, die gibt es? Wo denn? Man kann die illegalen Videos bei YouTube melden und entfernen lassen. Das ist so einfach, dass kann auch Peter Huth. Hier mal der Link zu Youtube, wo man seine geschützten Werke melden kann. Darüber hinaus kann man noch einen Anwalt einschalten und von dem illegalen Uploader richtig fett Kohle kassieren. Moses P hat jahrelang ein Geschäftsmodell daraus gemacht. Frag ihn doch mal an wie das geht.

Im weiteren Text geht geht Huth auf die Reform das Copyright Gesetztes ein, dass angeblich diese Zustände beenden wollte. Wahr ist, die großen Verlage haben die letzten zehn Jahre geschlafen. Die großen Verlage haben nicht verstanden wie das Internet funktioniert, weil zumeist alte Männer dort das Sagen haben. Jetzt nach 10 Jahren der wertlosen Content Erstellung fragen sich die Verlage wie man damit Geld verdienen kann. Also haben sie ihre Macht genutzt um über Lobbyverbände bei der EU ein Gesetz durch zu prügeln welches dafür sorgt dass unser Internet dicht gemacht wird. Die EU hat diesen Gesetzentwurf erst einmal abgelehnt. Im Herbst geht’s in die nächste Verhandlungsrunde. Worum es in diesem Gesetz genau geht hat der Thomas Knüwer mal hier aufgeschieben.

Author Markus

More posts by Markus

Leave a Reply